Ein
seltener Vogel, die Nackthalstaube
Werdegang und Zuchtstand des
Rumänischen Nackthalstümmlers
von
Dr. Franz Hilger
Entstehung und Herkunft der Nackthalstaube
Es
ist eigenartig, mit welchem Mißtrauen und mit welcher Skepsis Mitte des letzten
Jahrhunderts Berichte über nackthalsige Tauben durch die Fachpresse gingen.
Dabei sind nackte Hälse in der Vogelwelt keine Seltenheit. Stellvertretend
seien hier verschiedene Greifvögel, wie der Kondor und der Geier, aber auch der
Vogel Strauß genannt, bei den Haushühnern kennen wir das Nackthalshuhn. So ist
es nicht verwunderlich, dass es unter den Tauben ebenfalls nackthalsige Arten
gibt. So wird berichtet, dass es im unteren Waldgebiet des Himalaja sowie in der
Dardschilling, dem Ausgangspunkt der Karawanenstraße nach Tibet, wilde und
halbwilde Nackthalstauben geben soll.(Zurth,
1963). Ein anderer Hinweis aus einer alten Literaturangabe berichtet, dass es
etwa um 1910 in der Gegend der Städte Losi und Roman (Moldau-Gebiet, zu Rumänien
gehörig) zahlreiche nackthalsige Tauben gibt (Kaupschäfer, 1962).
Die
außerordentlich große Variationsbreite der Veränderlichkeit der
domestizierten Taube ist bekannt. Schon die Taubenfarben, die vielfach noch in
ihrem genetischen Charakter der wissenschaftlichen Erforschung bedürfen und zu
denen immer neue Mutationen treten, gehen in die Hunderte. Wäre der
Nackthalscharakter, der vom Haushuhn her bekannt ist, bei einer domestizierten
Taube wirklich so verwunderlich? Auf jeden Fall ist das Charakteristikum der
Nackthalsigkeit auf eine Mutation, also einer sprunghaften Veränderung der
Erbanlagen zurückzuführen, dessen Ursprung bis heute unbekannt blieb. Laut Dr.
Jull (1927) vererbt sich dieses besondere Charakteristikum bei Hühnern als
einfache Dominanz gegenüber der Normalbefiederung; bei Nackthalstauben sind,
wie wir später sehen werden, die Erbgänge anders.
Bei
den Haustauben existieren Nackthalstauben von ihrer Herkunft her im wesentlichen
in Rumänien, in Spanien und in der Ukraine.
Rumänien
Die
aus Rumänien stammenden Nackthalstauben wurden in der Literatur erstmalig 1899
in der ungarischen Zeitung Szarnysaink (Unser Geflügel) beschrieben. Fast
sensationell wirkte im Jahre 1952 der Artikel über Nackthalstümmler von Istvan
Peterfi aus Klausenburg in Rumänien in der schwedischen Taubenzeitschrift (
Svensk Duvavelsförnings Tidskrift, 1952, Nr. 3). Danach sind die
Nackthalstauben aus den aus Rumänien stammenden Ciungtümmlern hervorgegangen
und kommen im wesentlichen in der Umgebung der Hauptstadt Bukarest vor.
Während
die Ciungtümmler ganz normal befiedert sind, ist bei den Rumänischen
Nackthalstümmlern der ganze Hals vollständig nackt und unbefiedert. Die Rumänen
nennen diese Tauben „Ciung-chel“ ( gesprochen Tschung- kel ), was soviel heißt
wie „kahler Ciung“. Über die Entstehung des Namens Ciung gehen die
Meinungen auseinander, die einen sagen, es kommt vom Wort ciung = verstümmeln,
weil die Taubenhalter den Tauben die Flügel stutzten, um sie auf dem Hofe zu
halten, die anderen behaupten, der Name leite sich von einem Züchter namens „Ciungu“
ab, der die Rasse erzüchtet haben soll. Jedenfalls sind sie ausgezeichnete
Hochflieger, die sehr schnell bis zur Flimmerhöhe aufsteigen und sehr lange
fliegen, gut und gern 5 – 10 Stunden.
Spanien
Was
die Spanischen Nackthalstümmler angeht, so weiß man ( Schütte 1965 ), dass es ebenfalls eine alte Rasse ist, die in den
60 er Jahren des letzten Jahrhunderts von dem seinerzeit wohl größten
Haustauben-Experten Europas, dem Spanier R.
B. Brage wiederentdeckt worden ist. Diese Nackthalstauben wurden schon von Carlos
Ormaechea Llorant in seinem Buch „Palomas, Gallinas, Conejos“ ( Madrid
1910 ) erwähnt. Er nannte sie „Tauben aus der Berberei mit dem nackten
Hals“. In Spanien heißen sie Palomas de Berberia oder Cuello Pelado ( Tauben
aus der Berberei oder Nackter Hals ). Im Übrigen werden sie im Englischen „Coll
Pelat“ genannt. Brage ist der Ansicht, dass diese Tauben vor über 1000 Jahren von
den Mauren nach Spanien gebracht wurden. Da sie, bis auf den nackten Hals, aber
den Catalonischen Tümmlern gleichen, müßten demnach die Vorfahren dieser Tümmler
und nicht nur die Nackthalsigen, durch die Mauren nach Spanien gekommen sein.
Die
nackthalsigen Tümmler sind wie überall so auch in Spanien zu keiner Zeit
beliebt gewesen und kaum ein Züchter war bereit, sich dieser seltsamen Abart
der Catalonischen Tümmler anzunehmen. Mehrfach galten sie als ausgestorben,
aber genau so oft tauchten sie wieder auf.
Im
Jahre 1956 entdeckte Brage in einem Vogelgeschäft in Madrid ein Paar dieser
nackthalsigen Tümmler, die er sofort kaufte. Mit diesem Paar baute Brage
eine neue Zucht auf, indem er sie mit Catalonischen Weißschwanztümmlern
kreuzte. Die Nachzucht war durchweg normal befiedert. Bei der Rückkreuzung der
Nachzucht an die Tiere mit dem nackten Hals waren alle gezüchteten Jungtiere,
bis auf eins, rein nackthalsig, was auf eine rezessive Vererbung der
Nackthalsigkeit schließen läßt. Mit den so gewonnenen Tieren baute Brage
die Zucht der Spanischen Nackthalstümmler wieder auf.
Die
Spanischen Nackthalstümmler sind kleine Tümmler von etwa 25 cm Körperlänge.
Sie haben einen glatten Kopf und- wie die Rumänischen-unbefiederte Füße. Die
Flügel werden auf dem Schwanz getragen. Das Auge ist perlfarbig. An dem unteren
Teil des Halses, wo die nackten Stellen enden, sieht man das helle
Untergefieder, es bildet so einen fast weißen Kranz oder Kragen, der den Hals
vollständig umgibt. Zur Zeit der Wiedererzüchtung gab es nur Gelbe mit weißem
Schwanz.
Ukraine
Die
aus der Ukraine stammenden Nackthalstümmler sind bisher am wenigsten bekannt.
Sie sind sehr selten und kommen nur vereinzelt im Inland und im
Schwarzmeergebiet vor. Sie gleichen, bis auf den nackten Hals, normalen,
mittelgroßen Russischen Tümmlern, ohne besondere rassische Eigenheiten
erkennen zu lassen ( Schütte 1965).
Ihr Gefieder ist in der Regel Rot oder Rotfahl mit grauweißem Schwanz und eben
solchen Schwingen. Es läßt vermuten, dass sie die gleichen Vorfahren hatten
wie die Rumänischen Ciungtümmler. Diese Nackthalstümmler hießen in der
ehemaligen Sowjetunion Russische Nackthalstümmler oder auf russisch „Golosenja“.
Zusammenfassend
kann von der Gruppe der Nackthalstümmler gesagt werden, dass sich die vollständig
nackthalsigen Tümmler aus Rumänien, Spanien und der Ukraine in erstaunlicher
Weise ähnlich sehen und zwar nicht nur durch ihre Nackthalsigkeit, sondern auch
in ihrer Figur
Wie
bereits erwähnt waren nackthalsige Tauben zu keiner Zeit sehr beliebt, häufig
wurde der nackte Hals als eine Krankheit angesehen und die damit ausgestatteten
Tauben geschlachtet. In diesem Falle ist es besonders bemerkenswert und
einleuchtend, dass sich hauptsächlich in der Heimat der Nackthalshühner, also
in Siebenbürgen und Rumänien, einige Züchter auf Dauer der Nackthalstauben
angenommen haben. Damit ist es auch zu verstehen, dass die Rumänischen
Nackthalstümmler am bekanntesten und am weitesten verbreitet sind. Von der
Europavereinigung der Geflügelzüchter sind sie schon lange als Rassetauben
anerkannt.
Die Entwicklung der Nackthalstauben in Deutschland
In
Deutschland war es erstmals W. K. G. Möbes,
der um 1950 sowohl mit Peterfi als
auch mit anderen bekannten Taubenzüchtern wie L. R. S. Freeston aus England, mit R. B. Brage aus Spanien und mit M.
Emery aus den USA Fühlung aufnahm. Das führte dazu, dass er nicht nur
Beschreibungen bisher völlig unbekannter Beiträge für eine „Bibliographie
der Tauben“ erhielt sondern auch die Kenntnis von vielen bislang unbekannten
Taubenrassen. Seine Korrespondenz mit Peterfi
führte zur Bekanntschaft mit dem ungarischen Taubenschriftsteller Ferenc
Moldvai, für dessen Taubenbuch Peterfi
das Vorwort schrieb. Letzterer gab unschätzbare Informationen über
verschiedene uns unbekannte Haustaubenrassen; dabei zeichnen sich seine Berichte
durch hohe wissenschaftliche Genauigkeit aus. Es bestand also nicht der
geringste Anlaß, seine Beschreibung des Nackthalstümmlers zu bezweifeln.
Angeregt
durch die Peterfi-sche Veröffentlichung
über die nackthalsige rumänische Tümmlertaube brannte es dem wohl
bekanntesten deutschen Nackthalszüchter seiner Zeit, Bernhard Noack, einer meiner Vorgänger im Amt des Vorsitzenden des
Sondervereins der Züchter der Nackthalshühner, auf den Nägeln, diese Rasse möglichst
bald kennenzulernen. Es begann damit, dass Noack eine auszugsweise Übersetzung der Peterfi-schen Veröffentlichung in seine im Jahre 1958 erschienene
Monographie über „Das Nackthalshuhn“ aufnahm. Noack trat sehr bald in Kontakt mit rumänischen Züchtern und
konnte im Jahre 1964 die ersten Nackthalstauben erwerben und nach Deutschland,
in die damalige DDR, bringen, die Noack
noch im gleichen Jahr auf der Kreisverbandsschau in Zossen bei Berlin
ausstellte. Besonders einige Mitglieder der „Spezial-Zucht-Gemeinschaft ( SZG
) Nackthalshuhn“ –die Nachfolgerin des Sondervereins der Züchter der
Nackthalshühner in der DDR- interessierten
sich für diese Taubenrasse und versuchten ebenfalls Tiere aus Rumänien zu
bekommen, was auch gelang.
Um
Züchter und Tauben aber auch in ihrem Ursprungsland näher kennen zu lernen,
machte Noack im Jahre 1968 auf
Einladung rumänischer Taubenzüchter eine Studienreise nach Rumänien. Unter
anderen besuchte Noack den
Nackthalstaubenzüchter Lutter in
Lugosch; er war damals mit 30 Paaren der bedeutendste Züchter dieser Rasse.
Außer
der Eigenschaft als Rassetaube konnte Noack
in Rumänien nebenbei feststellen, dass der Nackthalstümmler auch ein
hervorragender Hochflieger ist. Wie Noack
erfuhr, hängt der Hoch- bzw. Dauerflug vom Stamm ab und insbesondere vom
Training, d. h. also vom Züchter selbst. Die Flugdauer der Nackthalstaube beträgt
6 bis 10 Stunden. Es ist nicht selten, dass diese Tauben die ganze Nacht
fliegen. Weiterhin dürfte von Interesse sein, dass sie Truppflieger sind und
nach Schmetterlingsart fliegen.
Die
damals in die DDR importierten Tiere fanden sehr schnell Liebhaber, man war
bestrebt, die Nackthalstauben möglichst bald als Rassetaube zur Anerkennung zu
bringen, was auch im Jahre 1969 geschah. Anerkannt wurden die Farbenschläge
Rot, Gelb und Rotfahl.
Im
Westen Deutschlands war es etwas mühsamer an die Tiere heranzukommen, da Rumänien
ja bekanntlich zum sogenannten Ostblock gehörte. Dorthin einzureisen war in der
Regel nicht möglich, es sei denn, dass familiäre Bindungen in Ausnahmefällen
eine Einreise möglich machten. Eine solche Bindung erlaubte es dem aus Siebenbürgen
stammenden Zuchtfreund Valentin Henning aus
Seevetal, OT Ohlendorf bei Hamburg im Jahre 1965, seine frühere Heimat Rumänien
zu besuchen, wo er mit Mühe und Not ein Paar Nackthalstümmler zum Preis
von sage und schreibe 500,- DM erwerben konnte. Da die Täubin nach drei Monaten
einging, reiste Henning im Jahre 1967 erneut nach Rumänien und konnte dann 4 Paar
Nackthalstümmler mitbringen. Etwa zur gleichen Zeit konnte das Züchterehepaar Hermann
und Gertrud Zahn aus Wörrstadt/Rheinhessen auch zu Bekannten nach Rumänien
einreisen, sie brachten ebenfalls einige Tauben mit.
Henning stellte
im Jahre 1969 die Tauben als Nackthalstümmler zum ersten Mal auf der Deutschen
Junggeflügelschau in Hannover aus, jedoch ohne Bewertung, da sie zur
Anerkennung nicht angemeldet worden waren.
In
der Zwischenzeit hatte im Jahre 1969 der damalige Zuchtwart des Sondervereins
der Züchter der Nackthalshühner und Zwerg-Nackthalshühner, Peter Risch aus Langenhagen bei Hannover, über Zuchtfreunde in der
damaligen DDR ebenfalls Nackthalstümmler erhalten, der dann zusammen mit Zahn
in Anlehnung an den DDR-Standard einen Standard-Vorschlag zur Anerkennung der
Rumänischen Nackthalstümmler an den Bundeszuchtausschuß einreichte. 1970
standen die Tiere von Henning und Zahn und 1971 von Henning,
Risch und Zahn jeweils als Neuzüchtung
auf der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover zur Anerkennung, worauf sie
anschließend 1972 im Farbenschlag Rot anerkannt wurden.
Im
Jahre 1983 erfolgte dann auch die Anerkennung des gelben Farbenschlages in der
Bundesrepublik Deutschland. Im Zuge der Wiedervereinigung der beiden deutschen
Staaten wurden dann im Jahre 1990 die bereits in der DDR anerkannten drei
Farbenschläge Rot, Gelb und Rotfahl in den Tauben-Standard der Bundesrepublik
Deutschland übernommen.
Erscheinungsbild
und Zuchtstand in Deutschland
Von
den bisher beschriebenen Nackthalstauben aus Rumänien, Spanien und der Ukraine,
die wie gesagt alle zu den Tümmlertauben gehören, sind in Deutschland nur die
Nackthalstauben anerkannt, die vornehmlich von den rumänischen Nackthalstauben
abstammen, sie firmieren im Deutschen Rassetauben-Standard unter „Rumänische
Nackthalstümmler“. Es sind diejenigen, die in Europa und insbesondere in
Deutschland am häufigsten vorkamen und heute noch existieren und am besten
durchgezüchtet sind.
Die
Spanischen Nackthalstümmler, die, wie bereits vermerkt, im Jahre1956 von R:
B. Brage entdeckt und züchterisch verbessert wurden, kamen außer in
Spanien meines Wissens nur noch in England vor. Kaupschäfer
berichtet in „Tierwelt“, 1980, dass er solche bei John
Tucker in Bridgwater/Somerset gesehen hat. Aus Kaupschäfers Worten ist zu entnehmen, dass Tucker wohl weniger ein Züchter als ein Taubensammler war. Die
Tiere stammten von R. B. Brage und
waren von Spanien nach England importiert worden.
Eine
rassige Anerkennung als Spanischer Nackthalstümmler hat es wohl nie gegeben aus
dem einfachen Grunde, weil es einfach zu wenig Tiere gab. Selbst wenn es in
Deutschland jemals spanische Exemplare gegeben haben soll, so sind sie wegen der
nur geringen Unterschiede in den Rassemerkmalen unter Rumänische
Nackthalstümmler eingeordnet worden.
Die
aus der Ukraine stammenden Nackthalstümmler sind bisher am wenigsten bekannt,
man kann heute davon ausgehen, dass sie ausgestorben sind
Seit
der Anerkennung der Rumänischen Nackthalstümmler in Deutschland hat es immer
bis heute einen kleinen Züchterkreis von Liebhabern gegeben, die zum größten
Teil aus dem Sonderverein der Züchter der Nackthalshühner und Zwerg-Nackthalshühner
hervorgegangen sind. Und da seinerzeit die Anerkennung vom obigen Sonderverein
betrieben wurde, war es auch naheliegend die Betreuung dieser Rasse dem
Sonderverein zu übertragen. Seitdem heißt der Sonderverein „SV der Züchter
der Nackthalshühner, Zwerg-Nackthalshühner und Rumänischen Nackthalstümmler“.
Übrigens der einzige Sonderverein, der sowohl große Hühner, Zwerghühner und
Tauben betreut.
Was
das äußere Erscheinungsbild und insbesondere die Rassigkeit der Nackthalstümmler
angeht, so findet man die gewünschten Merkmale im Rassetaubenstandard. Es
handelt sich um einen mittelgroßen Tümmler mit einer kräftigen Figur. Das
namensgebende Rasseattribut ist der nackte Hals ,der fleischfarbig bis
dunkelbraun sein kann, wobei jedoch ein möglichst brauner Hals angestrebt wird.
Was die Federfreiheit am Hals angeht, so ist dieses Merkmal nicht wie beim
Nackthalshuhn dominant vererblich, sondern der Erbgang verläuft intermediär,
d. h. aus einer Verpaarung einer Nackthalstaube mit einer normal befiederten
Taube fallen Zwischenformen, die meistens keinen nackten Hals oder nur einen
halbnackten Hals aufweisen. Erst die Rückpaarung dieser Tiere an die
nackthalsigen ergeben wieder nackthalsige Tiere.
Darüber
hinaus ist im Gegensatz zum Nackthalshuhn der nackte Hals der Taube nur einen
Teil des Jahres hindurch völlig nackt: Nackthalstümmler mausern wie jede
andere Taube auch. Die Nachthalsigkeit verliert sich nach der ersten Mauser und
an den nackten Stellen erscheinen kleine Stoppeln. Diese entwickeln sich nicht
zu Federn, sondern trocknen aus und fallen ab, um nach der nächsten Mauser
erneut zu erscheinen. Am schönsten sieht die Jungtaube, je nach Zeitpunkt des
Schlupfes, in den Monaten Juli und August aus. Einzelne Federstoppeln am Hals
bei Jungtauben sind zu tolerieren, wenn der Ausstellungstermin sehr früh liegt.
Tiere mit vielen Stoppeln sind noch nicht schaufertig. Daraus resultiert, dass
Tiere aus Frühbruten zur normalen Ausstellungszeit von Natur her am Hals freier
sind, da die Stoppeln schon fast alle abgestorben und ausgefallen sind.
Nicht
nur die Nackthalsigkeit der Taube allein macht die Rassigkeit der Tiere aus, es
gilt auch hier wie bei allem Geflügel der Grundsatz „Form, Farbe und
Feder“, was sagen will, dass die Form bei der Beurteilung ganz vorne steht.
Hier sei auf die Ausführungen von langjährigen und erfolgreichen Züchtern der
Rumänischen Nackthalstümmler ( Risch,1997
und Heber 2000 ) hingewiesen, die sich
kurz und prägnant über die wesentlichen Merkmale geäußert haben: Der Rumänische
Nackthalstümmler ist ein eher tiefgestellter mittelgroßer Flugtaubentyp mit
straffem Gefieder, voller Brust und gut entwickelten Flügeln. Letztere wirken
lang und werden neben aber meist unter dem Schwanz getragen. Der Schwanz ist
breit und flach, muß mindestens aus14 Steuerfedern bestehen und soll möglichst
waagerecht getragen werden.
Der
Kopf soll gut gewölbt und nicht zu schmal sein, auf jeden Fall ohne Kanten oder
Platte. Ferner soll er , im Gegensatz zum knapp befiederten Kopf des
Nackthalshuhns, voll befiedert sein. Der Schnabel soll knapp mittellang, leicht
nach unten gerichtet und hornfarbig bis dunkel sein. Durch die Einkreuzung von
Roller-Tauben hat sich ein etwas langer und spitzer Schnabel bei einigen Zuchten
eingeschlichen, der aber durch Zuchtauslese zurückgedrängt werden kann.
Die
größten Schwierigkeiten gab es bislang immer beim Auge. Die Augen wurden bis
1998 perlfarbig verlangt. Da aber ein reines Perlauge nicht zu erreichen ist,
wurde mittels einer Standardänderung „Roteinlagerungen in der Iris gestattet
„. Mit einer neuen Aktualisierung des Standards wird ab 2003 das Rassemerkmal
für das Auge wie folgt neu gefaßt: „ Perlfarbig, ein weißer Ring umgibt die
Pupille, die übrige Iris ist orangefarbig, Augenrand schmal, farblich unauffällig
„.
Die
Rumänischen Nackthalstümmler sind in den Farbenschlägen Rot, Gelb und Rotfahl
anerkannt, wobei Rot und Gelb die Hauptfarben sind. Die Rotfahlen waren lange
nicht zu sehen, sollen aber bald wieder gezeigt werden. Wenn auch die
Nackthalstauben keine Farbentauben sind, so wird möglichst ein sattes Braun-Rot
oder sattes Gelb gefordert. Der Bauch sollte möglichst gut durchgefärbt sein,
wobei Täubinen eher zu bläulichen Farbeinlagerungen im Bauch- und
Unterschwanzgefieder neigen, was in geringem Maße bei Täubinen gestattet ist.
Im Übrigen gelten grau-blaue statt aufgehellte Schwingen- und Schwanzfedern als
grobe Fehler.
Eine
Zierde ist eine dem Farbenschlag angepaßte sogenannte Finkenzeichnung auf weißem
Schwung. Diese wird angestrebt und sollte bei Spitzentieren vorhanden sein. Bei
den Farbenschlägen Rot und Gelb ist das gänzliche Fehlen der Finkenzeichnung
ein Fehler.
Mit
meinen Ausführungen wollte ich die vielen Tümmler-Züchter auf den aparten Rumänischen
Nackthalstümmler aufmerksam machen und vielleicht ist es mir sogar gelungen den
einen oder anderen Züchter zu gewinnen, zumal in diesen Tauben besonders im
Hinblick auf die Schaffung neuer Farbenschläge noch ein großes Potential
steckt. Es dürfte nicht allzu schwer sein, z. B. schwarze oder blaue Nackthalstümmler,
mit Hilfe des aus Rumänien stammenden Weißschwanz-Tümmlers zu erzüchten, der
im Typ zum Nackthalstümmler paßt und ebenfalls ein Perlauge besitzt.
Mir
ist aus meiner langjährigen Praxis im Umgang mit Nackthalshühnern bewußt, wie
beliebt bzw. unbeliebt ja sogar abstoßend nackthalsiges Geflügel auf „Geflügel-Laien“
sein kann, zu oft habe ich unqualifizierte Kommentare beim Betrachten von
ausgestelltem Nackthalsgeflügel als stiller Nebenbeteiligter mit anhören müssen.
Trotzdem bleibt der Rumänische Nackthalstümmler für den Liebhaber eine
interessante Rasse, was die wenigen aber langjährigen Züchter dieser Rasse
beweisen.
Weibern,
15. 09. 2002